Darmstädter Echo berichtet über t=E/x²

DARMSTADT - Klingt wie der Albtraum eines kleinen Dienstleisters der großen Medienindustrie: Ein Cutter sitzt in seinem Schneideraum. Die Tage vergehen, doch eine Szene wiederholt sich immer wieder: Eine Gruppe der Filmfirma kommt herein, um die nächste Produktion zu besprechen. Ein völlig unspektakulärer Moment, bloß drei Minuten, doch sie verlaufen stets gleich.

Und täglich grüßt die Zeitschleife: Kennt man aus dem Fantasykino. Ein neuer Beitrag dieser Spielart des fantastischen Films kommt nun aus Darmstadt. Die BSB-Filmproduktion, bekannt durch die Show „Dein Song“ für den Kinderkanal, geht ab 2019 forciert fiktionale Filmformate an. Die Abenteuer des Cutters mit dem zauberhaften Namen Merlin (Mario Ganß), der an der Seite der stummen Ava (Jasmin Wagner) abenteuerlich aus seiner Routine ausbrechen muss, macht den Anfang. „t=E/x2“ lautet der Titel, was sich übersetzen ließe mit: Zeit ist Energie durch weißnichtwas zum Quadrat.

Andreas Simon (44), der vor 20 Jahren als Praktikant bei BSB anfing und seit Jahresbeginn Mitgesellschafter ist, sitzt seit 2011 an dem Filmprojekt dran. Nun erfüllt sich sein Traum vom ersten Langfilm (82 Minuten) – nach mehr als sechs Jahren und 35 Drehtagen. 2012 wurde zum ersten Mal auf Lanzarote gefilmt, im vergangen Sommer fiel die letzte Klappe. Das Team arbeitete auf Rückstellung. Kennt man von Studentenfilmen: Es gibt erst Geld, wenn der Film mal Kasse macht. Davon kann noch nicht die Rede sein. Im Februar soll es eine interne Vorstellung geben, dann suchen sie bei BSB-Film nach Festivals, die das Werk spielen. Je nachdem, wie er dort ankommt, soll er ans Publikum gebracht werden.

„Ich hab’ an den Film gar nicht geglaubt“, räumt BSB-Geschäftsführer Alfred Bayer freimütig ein. Der zweite BSB-Boss Tom Spalek habe die ersten Aufnahmen ermöglicht. Mittlerweile aber sieht Bayer in „t=E/x2“ neben Fantasy auch Abenteuer und Kumpelkomödie. Und das macht ihm Spaß. Wobei der Film den Zuschauer schon fordere, denn ein Drittel der Zeit laufen die Bilder rückwärts. So ist das halt, wenn man in der Zeitschleife steckt. „Da muss der Zuschauer durch“, sagt Bayer, und Simon beruhigt: „Am Anfang hat man große Fragezeichen, doch die lösen sich auf.“ Auf einen kammerspielartigen Beginn mit philosophischen Fragen über das Wesen der Zeit folgen Abenteuer auf dem Meer und unter Wasser, im Schnee, vor Vulkanen und in der Kanalisation.

Wenn die Gleichung „t=E/x2“ aufgeht, könnte bereits Anfang 2020 das nächste Projekt vollendet werden, denn Simon hat noch eine zweite Produktion in der Pipeline: „Luna Agonia“, ein Mysteryfilm um eine Modedroge, die den Konsumenten den Rausch im Kollektiv ermöglicht, sei zu knapp zwei Dritteln gedreht und geschnitten.

Auch Geschäftsführer Bayer hat noch eine Filmidee: Die Pseudokumentation „Wer ist Gustavo?“ soll von einem Kunstmaler in den Dreißigern auf Ibiza berichten, der verblüffende Ähnlichkeit mit einem deutschen Diktator hat. Wichtige Teile des Drehbuchs hat Bayer fertig, aber die Antwort, wer Gustavo ist, wird sich vor der Kamera frühestens 2020 herausschälen. Denn Geld verdienen sie bei BSB Film doch vor allem mit ihren Projekten für junge Zuschauer.

Zwar soll schon das „Luna Agonia“ mit einem ordentlichen Etat angegangen werden, doch sorgt bislang nicht zuletzt die Show „Dein Song“ (ab 25. Februar wieder auf Kika) für sichere Einnahmen. Mit jungem Publikum kennen sie sich bei BSB aus. Wenn das mit dem Format Fiction anläuft, könnte in einigen Jahren auch ein Kinder- und Jugendfilm auf dem Programm stehen.

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